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Von der Holzplanke auf das Stilfser Joch!


Ich muss zurück auf die Straße,

der Körper getaktet mit Motorvibrationen,

die Kraft der Kurve ziehen,

durch Gaszug Bewusstsein fühlen.

 

Dies ist meine Geschichte und sie beginnt vor meinem 51. Geburtstag, durch Überlegungen was ich von meiner Liebsten als Geschenk mir wünschen könnte, im Januar 2017. Das Meer hat mich immer schon bewegt und angezogen, als Franke jedoch, nur mit dem Flieger zu erreichen oder mindestens eine Tagesreise entfernt. Nicht oft erreicht, zum Tauchen. Schiffe gehören zum Meer, wie Salz. Kleine Schiffe, Modellbau, aus Holz, wäre das was? Fast wäre der Bestellknopf im Internet gedrückt worden. Dann lass ich das sogar einzelne Holzplanken auf den Rumpf, bei solchen Holzmodellen gebogen und befestigt werden müssen. Soviel Zeit habe ich nur in der dunklen Jahreszeit, da ich beruflich im internationalen Maschinenbau für Extrusionslinien über wenig freie Zeit verfüge.

 „Gib mir noch etwas Zeit“ Der Knopf nicht gedrückt. Ein Projekt rumorte in mir schon seit einiger Zeit, jedoch nicht zu fokussieren. Immer was anderes auf dem Plan. Verdrängt.

 Dann wurde es klarer. Ein gebrauchter Tank muss her und ein elektrisches Problem muss gelöst werden und nach und nach der im Schuppen vor sich hin rostende Honda CBX 650 E, Baujahr 1983, die Funktionalität wieder einzuhauchen. Vorweg, ich bin kein Mechaniker, wusste mir aber schon oft selbst zu helfen oder Hilfe anzunehmen.

 

Im Internet wurde ich fündig. Von Nachbarn und Kumpels gab es weitere ausgesuchte Bauteile wie Blinkerschalter gebraucht, Batterieregler gebraucht. Denn der sollte das elektrische Problem beseitigen. Die Batterie wurde damals vor ca. 17 Jahren nicht mehr geladen, schiebender weise ist Mann oft am Ende von der Spritztour zurückgekommen. Fehlende Zeit, andere Dinge, bewegender, ließen die Honda stehen. Mein erstes Motorrad, gebraucht gekauft, nachdem ich 1989 meine 1a Führerschein nachgemacht habe. Batterie also neu gewünscht. Im März 2017 wurde die Honda an die Luft gebracht.

Tank komplett durch gerostet, demontiert. Vergaserreihe demontiert und mit Waschbenzin gereinigt. Erstmal soll sich der Motor drehen. Gebrauchter Tank nach lackiert. Öl, kaum mehr vorhanden, nachgefüllt. Ziel: Ende Mai, mit TÜV ein Motorrad fahrbereit zu haben. Zurück auf die Straße kommen.

 

Ende März, drehte sich der Motor. Probefahrten ohne TÜV, weckten etwas in mir, was mich nie dazu bewegt hat, die Honda aufzugeben. Leider zeigte sich, dass der gebrauchte Regler, nicht das elektrische Problem zu lösen, in der Lage war. Die Batterie wurde weiterhin nicht geladen. Familiäre Fehlersuche durch einen angehenden Kfz-Mechatroniker, entlarvte das Zündschloss als mögliche Ursache. Der Kunststoffdeckel unterhalb der Kontakte, zerfiel in 3-4 Teile. Kein Kontakt. Erneut half das Internet. Nach Anlieferung und Einbau des gebrauchten Zündschlosses, war immer noch kein ausreichender Ladestrom zu messen. Rat vom Fachmann war einzuholen. Hat die Lichtmaschine doch einen Treffer?

 

 

Von einem befreundeten Kfz-Meister, kam der Tipp einer kleinen Moped Werkstatt im Ort. Fehlersuche, sein Ding. Auf Ducati gelernt. Josef K., kann Dir helfen. Nach einem Vorgespräch in der Werkstatt mit Josef, einigten wir uns auf einen Termin, an dem ich die Honda vorbeibringen sollte. Das Gespräch eher eins, wie soll ich sagen, ein Mechaniker halt und ein Kunde mit Sorgen = Ärger für den Mechaniker.

An einem verregneten Freitagnachmittag nach Büroschluss war es soweit. Ich fuhr zur Werkstatt, die Honda bockig, wie ich sie noch nicht erlebt hatte. Das Standgas drehte hoch und blieb hängen. Das war neu und während der Testfahrten bisher noch nicht aufgetreten. Sträubte sich die Honda?

 

Die Begrüßung bei Josef, wie das Vorgespräch, nicht positiv. „Was willst Du denn mit dem Schrott? Schmeiß den Haufen weg. Wenn ich da Anfange bist Du einige Tausender los. Vergaser, Simerringe der Gabel … „ Meine Antwort, nach dem ich Josef meinen kopierten und vergrößerten Schaltplan + zwei Huppendorfer Vollbiere aus der fränkischen Schweiz auf sein Werkstattboard gestellt habe: „Ich bin hier wegen zweier Hauptprobleme. 1) Die Lichtmaschine wird nicht ausreichend geladen. 2) Das Abblendlicht geht nicht, obwohl die Lichthupe geht, jedoch das Aufblendlicht wiederum nicht.“

„Löse das und wir können uns über die anderen anstehenden Dinge unterhalten.“ Ich ließ noch den original Batterieregler dort und im hinausgehen, meinte ich noch, dass ich zudem noch TÜV benötige. Mit dem Rücken zugewandt, rechnete ich jetzt mit fliegenden Schraubenschlüsseln, aber die blieben aus.

Einige Tage später, bekam ich einen Anruf von Josef. Beide Regler sind defekt und regeln nicht. Die Lichtmaschine bringt jedoch Strom. Wir einigten uns darauf, dass ich einen neuen Regler bestellen sollte. Ein passender Nachbau würde unter 100,00 EUR zu bekommen sein. 14 Tage später wurde ein neuer Regler direkt zur Werkstatt geliefert.

Bald war Vatertag und ich brach mit meinem Nachbar zu einer spontanen Bergtour bei Kufstein auf. Meinem Wunschzeitplan hatte ich einige Reserven zu geben müssen. Mit dem Zug und Marlon, seinem durchgedrehten Gordan Setter, ging es über Nürnberg nach München bis Kufstein, mit dem Bayernticket, den Marlon zählte als dritte reisende Person und wir zahlten für die ganze Strecke schlappe 30,00 EUR. Dafür gab es einige kühle Augustiner im Zug. Unterwegs meldete sich Josef via WhatsApp: „Vorder Licht OK, Regler OK, TÜV OK.“ Mir standen die Tränen in den Augen. Wenn ich nach vier Tagen Bergtour heim komme, habe ich eine fahrbereite Honda. Ich bin am Start.

Nach der Bergtour, mit zwei unvergesslichen Nächten, direkt auf einer Alm, holte ich meine Honda bei Josef ab. Er musste jedoch noch einen anderen Regler einbauen, da der von mir bestellte nicht funktionierte. Egal, die Honda hatte einen Paper und ich beglich die Rechnung und fuhr nach Hause. Ich kam genau bis zu meiner Haustür. Dann ging die Maschine aus. Alles Tot. Die Hauptsicherung war durch. Es roch auch etwas nach Kunststoff, verschmort. Das verstärkte sich auch, nach dem ich die Hauptsicherung getauscht habe. Es qualmte aus der Lima. F..k!

Nach einigen Telefonaten mit Honda Händlern aus der Umgebung, wurde deutlich, ich muss die Lima neu wickeln lassen. Keine Austausch Lima aufzutreiben. Ich wählte ein Unternehmen in unserer bayerischen Landeshauptstadt. Die Telefonate waren sachlich und Ernst T. war der Fachmann für Lima's und Regler. Nach Ausbau der Lima, sendete ich auch alle Regler zu Ernst, nur der von Josef verbaut, verblieb im Moped.

Nach kurzer Zeit, kam der Anruf von Ernst, die Lima muss definitiv neu gewickelt werden, alle gebrauchten Regler waren defekt. Bei Ernst bestellte ich zusätzlich noch einen Regler eines Herstellers aus Mexiko, mit dem Ernst noch nie Probleme hatte. Es sei bereits eine Lieferung aus Mittelamerika unterwegs und er lässt meinen Regler mit liefern. Für das Wickeln sind aber 3 Wochen mindestens zu warten. Bis dahin ist die Lieferung aus Mexiko auch da. Es war mittlerweile Juni geworden.

 

Am 11. Juli konnte ich Josef K. schreiben, dass ich nach 450 km Probefahrt, ihm seinen Regler zurückbringe. Doch bis dahin, war Geduld mein zweiter Vorname. Die erste Wicklung von Ernst, war nach der Trockenkammer, am Prüfstand nicht erfolgreich. Er musste nochmal nacharbeiten. Dann war endlich das OK von Ernst und Regler + Lima wurden auf die Reise geschickt. Was jetzt kommt habe ich mir wahrlich nicht dazu gereimt oder ausgedacht. Das Paket von DHL wurde nicht zu Hause abgeliefert, da niemand an diesem Tag anwesend war und obwohl ich einen alternativen Abgabeort angegeben habe. Nein, der treue DHL Fahrer legte das Paket in eine Packstation. Seitdem entwickelt diese Wort ein gewisse Aggressivität in mir. Denn, als ich mit meinem Abholschein an dieser Packstation freudestrahlend auftauchte, war diese Packstation auf Störung. Störung! Ich kam nicht an das Paket. Nicht an meine neu gewickelte Lima. Drei tagelang fuhr ich in der Früh und Abend zu diesem verfluchten Ort. Ich rief jeden Tag bei DHL an. Schrieb Störungsmeldungen. Nach dem fünften Tag öffnete sich endlich das Tor. Einbau Lima und Regler übernahm ich selbst. Ich war am Ziel. Ich kam zurück auf die Straße.  

Ich unternahm einige Ausfahrten, die von Früher in Erinnerung kamen und das Ganze auch Absichern sollte. Rhön – Schmalwasser, Kreuzberg, Fränkische Schweiz – Würgauer Berg, …

 

Nun wollte ich mehr Kurven, mehr Bewusstsein. In den Achtzigern, begann mein Motorradleben auf dem Sozio meines Kumpels auf einer spontanen Fahrt zum Gardasee. Damals, um die Osterzeit fuhren wir über den Stelvio Pass. Das war meine Belohnung für die ausgestanden Rückschläge, schlaflosen Nächte, verzweifelnde Momente. Mein Körper sollte getaktet sein mit Motorvibrationen.

 

Der dritte Oktober 2017 war ein verlängertes Wochenende und hier plante ich meine Tour. Allerdings wollte ich auf keinen Fall den Pass mit seinen 48 Kehren am Wochenende oder Feiertag fahren. Diesen Pass wollte ich mit keinem Ausflügler teilen. Ich nahm mir 2 Tage zusätzlich frei und erreichte das 2.760 m hoch gelegene Stilfser Joch am Freitag vor dem langen Wochenende. Alles richtig gemacht.

 

 

 

Seitdem trägt die Honda mit Stolz eine Stelvio Plakette. In 4 Tagen waren wir 1.486 km unterwegs. Am alten Brenner stellte sich die Tacho Uhr auf 70.000 km.

Was kommt nun? Ich habe noch ein Date mit dem Meer. Ich, die Honda CBX 650 E und die Adria Magistrale 2018! Ich fühle Bewusstsein durch Gaszug. Ich richte mich neu aus. Und es ist ansteckend. Nach Kroatien hat sich Begleitung aus der Familie für die Tour angekündigt. Wir sind zurück auf der Straße.  



Hondamanne | mannesocha@gmail.com